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Service - Presse

Mittwoch  05.03.2008 Kostenlose Blindenpost in Gefahr - Werden Blinde von Information und Literatur ausgeschlossen ?

Delegierte des BSVW-Mitarbeiterseminars 2008

Große Sorge bereitet dem Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen e.V. (BSVW) die neue Richtlinie des EU-Parlaments zur Liberalisierung der Postdienstleistungen. Viele blinde Menschen sehen ihren freien Zugang zu kultureller Bildung gefährdet.

Am 31.01. 2008 hat das EU-Parlament in Brüssel eine neue Richtlinie beschlossen, die es den EU-Mitgliedsländern überlässt, ob zukünftig spezielle Blindensendungen kostenfrei versendet werden dürfen oder nicht. Zwar denkt die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht an eine Aufgabe dieser Regelung, doch die Brüsseler Weichenstellung ist bedrohlich. Die ins Belieben der Mitgliedsstaaten gestellte Finanzierung gewährleistet keinesfalls den zukünftigen Erhalt der Blindenpost.

Blinde Menschen können gedruckte Zeitschriften und Bücher nur in Punktschrift lesen. Solche Ausgaben sind am nahen Kiosk aber nicht zu bekommen. Stadtbüchereien können manchmal das ein oder andere besorgen, sind aber ohne fremde Hilfe nicht zu erreichen. Was bleibt, ist der Versand. Schriftstücke in Punktschrift sind aber viel umfangreicher als entsprechende "normale" Drucke. Die Bücher Winnetou 1 - 3 füllen in Blindenschrift eine Regalwand von mehr als einem Meter. Das große Volumen und damit auch das Gewicht verteuern den Versand natürlich extrem. Wird blinden Menschen das Lesen dadurch in Zukunft wirtschaftlich unmöglich gemacht?

Nicht nur Privatpersonen wären von der geplanten Änderung der Richtlinie betroffen. Siegfried Volkert, Vorsitzender der Westdeutschen Blindenhörbücherei Münster, sieht die Existenz der Bücherei bedroht: "Im Jahr verlassen 500.000 Postsendungen unser Haus. Bei einer Frankierung würde dies 700.000 Euro Portokosten ergeben. Das ist für eine auf Spenden angewiesene Bibliothek nicht zu leisten."

BSVW-Vorsitzender Klaus Hahn fordert die Politiker auf, europaweit für den Erhalt kostenloser Blindenpost einzutreten: " Wird die Blindensendung abgeschafft, wäre dies für viele Betroffene eine drastische Einschränkung ihrer kulturellen Bildung." Vor diesem Hintergrund beschlossen die 92 Delegierten beim Mitarbeiterseminar des BSVW im Februar in Gelsenkirchen einstimmig, die Politiker aufzufordern, für den Erhalt der Blindensendung einzutreten.


Pressekontakt:

BSVW
Günter Gajewski
Albenhausenstr. 57,
45889 Gelsenkirchen
Tel: 0209 - 81 44 50
e-mail: gelsenkirchen@bsvw.de

Westfälische Blindenhörbücherei
Siegfried Volkert
Lindemannstr. 9
44137 Dortmund
Tel: 0231 - 13 40 23
e-mail: volkert137@aol.com

Pressefoto zum honorarfreiem Abdruck
Fotograf: Günter Seidenberg


Textvorschlag zur BU:

Die 92 Delegierten aus den 39 Bezirksgruppen des Blinden- und Sehbehindertenvereins Westfalen fordern auf ihrer Tagung in Gelsenkirchen die Politik einstimmig auf, für den Erhalt der Blindensendung einzutreten.

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