
Alle zwei Jahre führt die Fachgruppe eine Studienfahrt durch. Die nächste Fahrt findet vom 24.05. – 30.05.2010 statt. In der letzten Maiwoche ist das Wendland Ziel der Reise,. eine wunderschöne, in Teilen noch unberührte Landschaft am Elbufer. 40 Jahre lang lag das Wendland an der Grenze zur DDR. Das Wendland ist auch bekannt, weil dort viele Künstler leben. Wir werden diese Landschaft erleben und Kunst und Kultur kennen lernen. Wir besuchen ein Grenzmuseum und das archäologische Zentrum in Hitzacker. Es sind auch Ausflüge in die Lüneburger Heide geplant. Untergebracht sind wir in einem kleinen Tagungshotel in der Nähe von Schnega.
Studienfahrt 24.05.- 30.05.2010
Liebe Freunde!
2010 fahren wir in der letzten Maiwoche ins Wendland . Das ist eine wunderschöne Landschaft am Elbufer. 40 Jahre lang lag das Wendland an der Grenze zur DDR. Die ehemalige Grenze mit ihrer einmaligen Geschichte und ihrer Pflanzen- und Tierwelt ist unser Reiseziel. Das Wendland ist auch bekannt, weil dort viele Künstler leben. Wir werden diese Landschaft erleben und Kunst und Kultur kennen lernen. Wir besuchen ein Grenzmuseum und das archäologische Zentrum in Hitzacker. Es sind auch Ausflüge in die Lüneburger Heide geplant. Untergebracht sind wir in einem kleinen Tagungshotel in der Nähe von Schnega.
Geplant ist
Kosten pro Teilnehmer (Doppelzimmer): 500 €
Kosten pro Teilnehmer (Einzelzimmer): 550 €
Im Preis enthalten: Hin- und RĂĽckfahrt mit der Deutschen Bahn (ab Essen) + Unterbringung und Vollpension + Eintritt + Busfahrten Die Kosten fĂĽr Unterbringung und Verpflegung der Begleiter sind frei.
Wer mitfahren möchte, schickt mir bitte das Anmeldeformular zurück. Nach meiner Anmeldebestätigung bitte überweist 100 € auf folgendes Konto:
Taubblinde bei der Sparkasse Gelsenkirchen
BLZ 420 500 01
Ko-Nr. 260 351 768.
Herzliche GrĂĽĂźe
Ulla Benard
(von Heinz Majewski)
Das erlebte die Fachgruppe für Taubblinde NRW in der Zeit vom 1. bis 8. Juni 2008 in Timmendorfer Strand, während es in der Rest der Republik nur regnete, blitzte und donnerte. Dabei sollte man jedoch nicht glauben, dass wir nur faul am Strand herumgelegen hätten: nitnichten; das war Aktivurlaub pur!
Am Sonntag, 1.6.08, reiste ein GroĂźteil unserer Gruppe mit dem Zug an. Die meisten begannen ihre Fahrt in Dortmund, ein weiterer Teil stieg noch im MĂĽnster hinzudie letzte dann in Bremen. Einige resten noch mit dem Auto an, sodaĂź wir letztendlich 33 Leute wagen, die diese herrliche Woche miteinander verbringen sollte.
Am ersten Tag begaben wir uns ins Dorf, um den Ort ein wenig näher kennenzulernen. Manch einer staunte nicht schlecht, als er auf unsere Truppe stieß: So geschah es einmal, da0 auf dem Weg hinter uns eine Fahrradfahrerin verzweifelt mit ihrer Fahrradklingel beschäftigt, weil sie an uns nicht vorbeikam. Nach einiger Zeit drehte sich einer unserer Begleiter um und rief ihr zu: „da können Sie noch so lange klingeln, die sind alle taubblind!“Man kann sich gut vorstellen, wie verdattert die dreingeschaut haben muß…
Der zweite Tag wurde hauptsächlich dadurch bestimmt, dass wir nach Travemünde fuhren, um die „Passat“ zu besichtigen. Obwohl. Wie gesagt, wir es recht warm vom Wetter her hatten, waren aber an diesem Tage bei einigen doch dicke Pullover angesagt: denn es wehte diesmal ein ordentlicher NO-Wind, so dass es auf diesem großen und hohen Schiff doch den meisten recht kalt wurde. – Neben vielen anderen Beschreibungen und Geschichten zu diesem Schiff – etwa, wie beinahe die „Passat“ gesunken wäre, nur weil bei Sturm die Getreideladung verrutscht war, und der Kapitän mit viel Geschick das halbversunkene Schiff noch bis zum nächsten Hafen retten konnte -, ist uns aber besonders eines in Erinnerung geblieben: dass nämlich allein der anker vier Tonnen wog und die Ankerkette 250 m lang war. Wenn nun die Matrosen den Anker einholen mussten, so gab es zu diesem Zweck ein großes Gewinde an Bord, welches von vier Leuten betrieben wurde, immer im Kreis herum. Hierzu wurde uns aber erklärt, dass für einen Meter Ankerkette 15 Umdrehungen vonnöten waren. Bei 250 m – das macht (wenn ich richtig im Mathematikunterricht aufgepasst habe) 3750 Umdrehungen: Ich kann mir gut vorstellen, dass in solch einer Situation der Begriff des „Drehwurms“ entstanden sein könnte?!
Am Mittwoch war dann Wandern angesagt: bei dem Wetter war das nicht von schlechten Eltern! Dazu fuhren wir erneut mit dem Bus nach Travemünde, von wo aus wir die Hermannshöhe entlangwanderten, parallel immer zum Meer, über Niendorf, bis wir wieder in Timmendorfer Strand anlangten. Bemerkenswert war bei dieser Wanderung, wie uns die Steilküste an der Hermannshöhe beschrieben wurde: diese „wandert“ selbst Jahr für Jahr, Zentimeter um Zentimeter landeiwärts; was weniger mit der Brandung zu tun hat, als vielmehr damit, weil sehr viele Vögel sich dort einnisten; und wenn es dann häufiger regnet, geht immer mehr von der Steilwand verloren, so dass alle drei Jahre der Wanderweg ebenfalls um einige Zentimeter landeinwärts verschoben werden muß…
Am darauffolgenden Tag schauten wir uns die Stadt Lübeck an. Wie an fast allen Tagen, begleitete uns auch diesmal die Gästebetreuerin des Aura-Hotels, Frau Seelhorst, die uns vieles zu berichten hatte über die Stadt seit ihrer Gründung vor über 850 Jahren, oder über das Holstentor, dem Markenzeichen Lübecks (neben dem Marzipan), sowie über die Kirchen, von denen es sieben größere in dieser Stadt gibt. Zum Schluß aber zeigte sie uns einige sog. „Hinterhofgässchen“, wie man sie aus anderen Städten überhaupt nicht kennt: diese waren kaum breiter als ein Meter, so dass man soeben noch zu zweit durch diese gehen konnte. Von den eigentlichen Straßen gar nicht mehr einzusehen, konnte man von diesen kleinen Gässchen zu weiteren kleinen Häusern gelangen, so dass diese so richtig kleine Minisiedlungen in einem Wohnblock bildeten. Das sah schon recht eindrucksvoll aus! – Abgerundet wurde unser Lübeck-Ausflug durch einen Besuch bei „Niedecker“: dem Haus, in welchem die leckersten Marzipane hergestellt bzw. verkauft werden. Wir aber nutzten in erster Linie unseren Aufenthalt dort, um entweder etwas koffeinhaltiges zu uns zu nehmen, und wer wollte, ein herrliches Eis. Und als ausgewiesener Speiseeisliebhaber konnte ich wirklich bestätigen: Selten zuvor habe ich ein so leckeres Eis gegessen wie das, welches es da bei „niedecker“ gab!
Der Freitag war dann durch zwei Ereignisse geprägt: zum einen schauten wir uns in Warensdorf einen Bauernmarkt an, der vor allem interessante Souvenir- und Geschemkartikel aufwies, wo einige von uns auch fündig wZum anderen ergab es sich an diesem Tage, dass das Aura-Hotel sein Jahresfest feierte, aufgrunddessen es Kaffee und Kuchen auf Kosten des Hauses gab, abends gegrillt wurde, in Begleitung eines musikalischen Alleinunterhalters und einer Tombola…
Der letzte Tag war einer für hartgesottene: wir traten zu einer Seefahrt an. „Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön…“ heißt es in einem bekannten Lied – was allerdings an diesem Tage nicht alle so empfanden. Sobald wir uns nämlich aus dem Niendorfer Hafen gen Ostsee entfernt hatten, kam ein ordentlicher Wellengang auf, sodaß das Schiff ganz schön ins schaukeln geriet: eine Passagierin ließ unfreiwillig ihr Frühstück an Bord zurück, vielen anderen drehte sich der Magen um, der Rest – als wir das Schiff nachher verließen – hatte es mit ziemlich wackeligen Knieen zu tun. Wenige waren es danach nur noch, die sich Dachten: „Diese Seefahrt die war lustig, diese Seefahrt die war schön…“
Doch all das war nur ein Teil dessen, was die Fachgruppe für Taubblinde NRW in Timmendorfer Strand alles erlebte. Zusätzlich wurden beispielsweise noch Fahrten nach Fehmarn angeboten; unsere Sportskanone Ulrike fuhr mit unseren baubblinden Gefährten oft stundenlang auf dem Tandem durch die nähere Umgebung, bis hin nach Lübeck und wieder zurück; unsere Wasserratten Ute und Sonja trieben häufig unsere taubblinden Freunde in die bitterkalte Ostsee zum Schwimmen hinein (oder war es eher umgekehrt?!): das war die reinste Wonne! Weiter hatten zwei liebe Mitglieder unserer Gruppe in dieser Woche Geburtstag, welchen wir mit viel Freude nit ihnen feierten… Und so gab es noch vieles mehr, was sich an dieser Stelle alles gar nicht aufzählen lässt…
Am Abend vor unserer Abreise hielt Götz, einer unserer taubblinden Teilnehmer, eine wunderbare Ansprache, in der er sich im Namen aller bei der Fachgruppenleiterin Ulla Benard bedankte, dass sie uns allen eine so schöne Freizeit ermöglicht hatte. In der Tat war unser Küken Ute mit 23 Jahren die jüngste, unser ältester Teilnehmer Eberhard mit 76 Jahren gewesen: wenn ich an unsere allabendlichen Zusammenkünfte in der Laube denke, aber auch an all die Aktivitäten, die wir zusammen betrieben, so war da kein Altersunterschied Festzustellen; stattdessen waren wir wirklich „eine Gemeinschaft“, die viel Freude miteinander hatte. Daher auch an dieser Steele noch einmal ein großes Danke-schön an Ulla Benard, die „mal wieder“ etwas Großartiges auf die Beine stellte.
Insbesondere seien hier aber auch all die Assistentinnen, Verwandten und ehrenamtlichen Begleiter erwähnt, die Unglaubliches leisteten, um uns allen diese herrliche Woche zu ermöglichen.So erfuhr ich u.a. während der Freizeit, dass eine der Assistentinnen einen Großteil ihres persönlichen Erholungsurlaubes dafür aufopferte, um die Taubblindenfreizeit mit uns zu verbringen. Alerdings teilte sie mir auch mit, dass es ihr auch einen Riesenspaß mache, mit uns in dieser Woche zusammen zu sein. Auch wenn das schon sehr für sich spricht: All diesen Menschen, die uns hier begleiteten, zollte ich einen großen Respekt!
Als letztes möchte ich meinem kurzen Bericht nur noch eines anfügen: Ich selber war bei dieser Freizeit für Taubblinde „nur“ als blinder Begleiter dabei. In dieser Zeit lernte ich einige taubblinde Menschen kennen, die ich – aufgrund Verständigungsschwierigkeiten – bis dahin nur flüchtig vom „Stammtisch“ der Fachgruppe NRW kannte. Diese zumeist völlig gehörlosen Menschen, begleitet mon einer starken Sehbehinderung, beeindruckten mich in dieser Woche sehr: allein dadurch, weil ich an ihnen eine Herzlichkeit und Lebensfreude wahrnahm, wie sie mir bei sog. „gesunden“ Menschen oft zu fehlen scheint. Diese „Menschenkinder“ haben es wahrlich nicht verdient, nur am Rande wahrgenommen zu werden; sondern vieles können wir auch von ihnen lernen: mit Lebensmut und Lebensfreude sein Leben zu Meistern!
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