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Verein - Fachgruppe für Taubblinde und Hör-/Sehbehinderte

Sport und Freizeit

Wenn das Sehen nachlässt und die eigene Bewegungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, meinen viele: "Nun geht gar nichts mehr".

Michael, 38 Jahre alt, gehörlos von Geburt an und hochgradig sehbehindert, hat vorgemacht, dass es so nicht sein muss. Zusammen mit Mario, der als Student die Gebärdensprache und das Lormen erlernt hat, meldet er sich in einem Judoverein an. Zwei Jahre lang trainieren beide jede Woche. Im Herbst will er den "grünen Gürtel" erkämpfen.

Judo ist eine ideale Sportart für Blinde und Sehbehinderte, da zur Orientierung Körperkontakt notwendig ist. Gehörlose Sehbehinderte brauchen einen sehenden Partner, der die Bewegungsabläufe direkt vermitteln kann. Kommunikationsformen sind das Gebärden und das Lormen. Der Übungsleiter sollte ? über die behindertenspezifischen Gelange informiert sein. Die persönlichen Assistenten sollten außer dem Interesse an Sport auch Einfühlungsvermögen mitbringen.

Kegeln, Rudern, Schwimmen und Tandemradfahren sind Sportarten, die gehörlosen Sehbehinderten oder Taubblinden zugänglich gemacht werden k?nnen.

Kegler - Treff

Alle zwei Monate am ersten Samstag eines geraden Monats kegeln wir im Dietrich - Keuning - Haus in Dortmund. Zeit: 11:00 - 15:00 Uhr.

Kegeltermine 2010

  • 06.02.2010 Dortmund
  • 03.04.2010 Dortmund
  • 05.06.2010 Dortmund
  • 10.10.2010 Dortmund
  • 04.12.2010 Dortmund

Ralf unser Marathon - Mann

Ralf Buschmann ist Usher- betroffen, das heißt, er ist gehörlos und kann mittlerweile auch nur noch sehr schlecht sehen. Er will sich aber seinen Sport nicht nehmen lassen. Früher ist er mit Leidenschaft gewandert oder wie man heute sagt gewalkt. So hat er letztes Jahr schon das Abenteuer und die sportliche Herausforderung angenommen und hat am Ruhrmarathon teilgenommen. Dieses Jahr ist Ralf gleich zwei mal als Walker die Strecke von 42 Kilometern angegangen. Der erste Start war wieder der Ruhrmarathon also ein Stadtmarathon. Diesmal sollte es von Oberhausen nach Essen gehen. Er hatte aus den Erfahrungen vom letzten Jahr gelernt und hat sich diesmal um eine Begleitung bemüht, was gar nicht so einfach war. In Ulrike Hampel hatte er zwar eine sportliche Assistentin gefunden, die auch die Gebärdensprache beherrscht, die sich aber die 42 Kilometerstrecke nicht zutraute schon gar nicht in dem schnellen Tempo das Ralf schaffen kann. Bei einem solchen Stadtmarathon ist der Weg leicht zu finden, er ist nämlich als blaue Linie auf den Asphalt aufgezeichnet. Problem war also nur der Start mit all den vielen anderen Läufern. So war Ralfs sehende Begleitung nur während der Startphase dabei und ist auch auf dem ersten Kilometer mitgelaufen. Hierbei sind die Beiden hintereinander gelaufen und waren durch Stöcke miteinander verbunden. Das sah aus wie bei einer alten Lokomotive. Danach war es für Ralf möglich alleine zu gehen. Er war durch ein Shirt mit dem Logo für Taubblinde und der Aufschrift „Gehörlos und Sehbehindert" gekennzeichnet. Das Vorwärtskommen war nicht das Problem. Zum Teil waren viele Zuschauer an die Strecke gekommen und bildeten eine Gasse und feuerten alle Teilnehmer kräftig an. Schwieriger war es an den einzelnen Versorgungsständen auch das Richtige zu bekommen, weil Ralf nun mal nicht so gut sehen kann was was ist oder wo etwas zu finden ist. Im Zielbereich war dann seine Begleiterin wieder mit dabei und hat den mittlerweile erschöpften, aber zufriedenen Sportler begleitet und dafür gesorgt, dass er seinen wohlverdienten Lohn: eine Medaille, etwas zu trinken und zu essen und vor allem eine warme Dusche bekommen hat. Übrigens: Ralf ist in einer Zeit von knapp über 6 Stunden unterwegs gewesen - herzlichen Glückwunsch. Mit dieser Zeit ist er Vierter seiner Altersklasse geworden, eine super Leistung.

Aber damit nicht genug: Kaum hatte sich Ralf von den Anstrengungen erholt, hatte er ein weiteres Ziel entdeckt ; Diesmal sollte es der Landschaftsmarathon in Monschau sein. Monschau liegt mitten in der Eifel und es war klar: Hier geht es rauf und runter und auch über Wald- und Feldwege. Den Weg zu finden ist für Ralf ein Problem. Wie sollte er sicher alle Abzweigungen finden? Wenn es in den Wald geht und es plötzlich dunkel wird, wie kann er sich dann zurechtfinden? Es war klar hier geht es nicht ohne Begleitung auf der Strecke. Zusammen mit dem Veranstalter wurde eine Lösung gefunden. Ulrike wurde es mit einer Sondergenehmigung erlaubt Ralf auf der gesamten Strecke mit dem Fahrrad zu begleiten. So konnte Ralf sicher sein, das er auch immer alle Abzweige richtig erwischt. Zudem war Ulrike mit einer neongelben Weste gekleidet für ihn ein „leuchtendes Vorbild". Am 10. August morgens um 7 Uhr sind die beiden dann auf die Strecke gegangen. Am Anfang ging es zunächst einmal überraschend ein ganze Zeit nur bergab und durch das noch verschlafene Monschau. An anderen Stellen ging es dann aber zum Teil richtig steil bergan und dazu über geröllige Wegstücke und schmale Pfade, die für Ralf schwierig zu bewältigen waren. Viele der anderen Teilnehmer waren von Ralfs Leistung beeindruckt und haben ihm ihren Respekt ausgesprochen. Aber auch für die Fahrradbegleiterin war es nicht ganz so einfach wie gedacht. An steilen Stücken hieß es zum Teil schieben und bergrunter dann um so mehr bremsen, damit der Kontakt zu Ralf nicht verloren ging. Insgesamt wurden an diesem Tag 700 Höhenmeter bewältigt. Auch an diesem Tag war nicht gerade Sommer, und so war es insbesondere für Ralfs Begleiterin auf dem Fahrrad recht kühl. Dazu gab es auch noch etwas Nieselregen aber insgesamt hatten die Beiden richtig Glück mit dem Wetter und kamen zu dem Schluss: Es war eine tolle Sache. Gut war diesmal für Ralf, dass er an allen Versorgungsständen zielstrebig seinen Tee und seine Bananenstücke fand - dank der sehenden Unterstützung. Nach ca. 6 Stunden und 15 Minuten waren dann beide im Ziel- und das bei dieser anspruchsvollen Strecke - Hut ab. Wieder etwas geschafft, auf das Ralf stolz sein kann! Diesmal gab es im Ziel dann sogar eine Massage und nach Dusche und Imbiss war dann die Welt für Ralf wieder in Ordnung. Ulrike hat da etwas größere Probleme: denn massiert wurden nur müde Beine, nicht aber verspannte Schultern. Im nächsten Jahr warten dann sicher wieder neue Herausforderungen auf die Beiden. Vielleicht - darüber würde sich Ralf sehr freuen- ist er dann nicht mehr allein und andere Taubblinde meistern zusammen mit ihm und ihren Assistenten das Abenteuer „Marathon“.

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